Schokoladenaktion Aachen - eine ökumenische Initiative
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Schokoaktion Aachen
 
 
 
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6.000 Stimmen für faire Schokolade aus der Süßwarenregion Aachen-Köln-Niederrhein. Das Bild zeigt von links nach rechts: die Superintendent Hans-Jürgen Bruckhoff und Jens Sannig, Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie und Manfred Körber vom Bistum Aachen. Foto: Thomas Hohenschue

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Was alleine zählt, ist mehr Verbindlichkeit

Schokoladenhearing in Aachen fordert Nationalen Runden Tisch für fairen Kakao

Bei keinem deutschen Schokoladenriegel kann ausgeschlossen werden, dass in ihm gesetzeswidrige Kinderarbeit steckt. Und nur für 1,5 Prozent allen Kakaos, der in Deutschland verarbeitet und vertrieben wird, gibt es überhaupt ein System, die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Verhältnisse beim Kakaoanbau verlässlich zu kontrollieren. Eine solche Zertifizierung allerdings wäre das, was diese armutsbedingte Kinderarbeit vermeiden hilft.

Solche Fakten treiben profunde Fachkenner der Wertschöpfungskette beim Kakao wie Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut um. Seine Forschungen zum Milliardenmarkt des Rohstoffs werden von allen Seiten geschätzt, seine Schlussfolgerungen allerdings nicht. Die deutsche Süßwarenindustrie scheut nationale Reglementierungen, wie Hütz-Adams sie etwa in den Niederlanden und Großbritannien beobachtet hat, wie der Teufel das Weihwasser.

Das wurde ein weiteres Mal am 17. November 2010 in Aachen deutlich, als Dr. Torben Erbrath für die großen und mittelständischen Unternehmen der Branche eine Lanze für rein freiwillige Schritte und Selbstverpflichtungen der Industrie brach. Bei einem Hearing des Bistums Aachen und der Evangelischen Kirchenkreise Aachen und Jülich konnte der Verbandsvertreter sogar der Idee eines Nationalen Runden Tisches zum Kakao nur wenig abgewinnen.

Diese Haltung wunderte Carsten Schmitz-Hoffmann von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Es sei im ureigensten Interesse der deutschen Süßwarenindustrie, durch Zertifizierung von Kakao die wirtschaftliche Situation der weltweit 5,5 Millionen Kakaobauern zu verbessern. Denn sonst drohe ihr eine empfindliche Verknappung des Rohstoffs Kakao, etwa durch Landflucht und Umwidmung der Anbauflächen.

Schmitz-Hoffmann will Hütz-Adams‘ Vorschlag eines Nationalen Runden Tisches zum Kakao seinem Auftraggeber, der Bundesregierung, weiterempfehlen, ist ihm doch eine verbesserte Zusammenarbeit aller Akteure ein Anliegen. An diesen Tisch gehörten neben Industrie und Siegelorganisationen, so hieß es in Aachen, auch der Einzelhandel, der Schokolade mit fatalen Folgen zu Kampfpreisen verramsche, um Kunden in seine Filialen zu ziehen.

Das Beispiel von Kakaobauern aus Ecuador, die beim Hearing berichteten, machte deutlich, wie viel zu besprechen und zu tun ist. In ihrer Urwaldregion leben die Menschen eher schlecht als recht vom Kakaoanbau. Die schwankenden Weltmarktpreise machen ihnen zu schaffen. Außerdem leiden sie unter den Preisabsprachen der örtlichen Zwischenhändler, sie erhalten nur etwa die Hälfte des Weltmarktpreises für Kakao.

Ihr Wissen über fairen Handel und Zertifikate ist gering, es war noch nie jemand bei ihnen, der sie darüber informierte. Nur wenige bauen ihren Kakao ökologisch an, was sehr viel aufwändiger ist als konventionell, aber ihre Zwischenhändler bezahlen keinen Cent mehr dafür. Wie sie die Anfangsinvestitionen für eine Zertifizierung finanzieren sollen, wissen sie nicht, es gibt keine Bank oder Organisation, die ihnen dies angeboten hat.

Der Forscher Hütz-Adams will das Risiko bei einer Zertifizierung gestreut sehen und läuft damit bei Carsten Schmitz-Hoffmann offene Türen ein. Der GTZ-Vertreter will Vorfinanzierungsmodelle fördern, die Kooperation der Siegelorganisationen vor Ort stärken, rechtliche Rahmenbedingungen verbessern. Angesichts des stetig wachsenden Bedarfs an Kakao standen in Aachen auch die Forderungen nach garantierten Mindestpreisen und Mindestabnahmemengen im Raum.

Der Druck von gesellschaftlichen Akteuren wie den beiden Kirchen sei enorm wichtig, um Bewegung in die deutsche Süßwarenindustrie zu bringen, sagte Schmitz-Hoffmann. Lippenbekenntnisse seitens der Industrieunternehmen reichten nicht aus, betonte auch Jens Sannig, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, der ein gesamtgesellschaftliches Interesse an faireren Handelsstrukturen reklamierte.

Dies unterstrichen 6.000 Unterschriften für faire Schokolade aus der Süßwarenregion Aachen-Köln-Niederrhein. Die Postkarten wurden Verbandsvertreter Dr. Torben Erbrath zum Schluss des Hearings überreicht. Für die Veranstalter kündigte Dr. Manfred Körber vom Bistum Aachen an, im Gespräch mit den Herstellern zu bleiben, denn ein Ziel der ansonsten überaus erfolgreichen Schokoladenaktion sei noch nicht erreicht: der erste faire Schokoriegel aus der Region.

Weitere Informationen unter www.schokoladenaktion-aachen.de.


Von Thomas Hohenschue

Veröffentlicht am 12.03.2011

 
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